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Motorradfahrer fährt auf einer Landstraße am Ortsschild „Greve in Chianti“ vorbei; im Hintergrund Hügel und Steinhäuser in der Toskana.

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Greve in Chianti: Geschichte, Sehenswürdigkeiten und verborgene Schätze

Gerhard · Motezza · Greve in Chianti · 10 Minuten Lesezeit

Von Greve aus starten alle Motezza-Touren. Die meisten Gäste sehen vom Ort selbst nur den Parkplatz und die Piazza. Dabei lohnen sich hier ein paar Stunden vor oder nach der Tour, und dieser Text sagt, wofür.

Greve in Chianti, auf einen Blick
Lage
Toskana, Metropolitanstadt Florenz. Rund 30 km südlich von Florenz an der SR222
Bekannt für
Piazza Matteotti, Expo Chianti Classico, Montefioralle
Wochenmarkt
Jeden Samstag von 8 bis 13 Uhr auf der Piazza Matteotti
Weinfest
Expo Chianti Classico, zweites Septemberwochenende

Historischer Hintergrund

Die Region Chianti war bereits in etruskischer und römischer Zeit besiedelt. Greve selbst entwickelte sich hauptsächlich im Mittelalter. Greve liegt am Kreuzungspunkt dreier alter Straßen: der Chiantigiana zwischen Florenz und Siena, der Verbindung ins Valdarno und der ins Val di Pesa. Das machte den Ort zum Marktplatz der Gegend.

Ursprünglich war Greve nur die Marktsiedlung der Burg Montefioralle auf dem Hügel darüber. Mit der Zeit drehte sich das Verhältnis um: Der Markt wuchs, die Burg verlor an Bedeutung. Gehandelt wurde vor allem mit Wein und Olivenöl, und der Markt findet bis heute jeden Samstag statt.

Piazza Matteotti

Das Zentrum von Greve ist die Piazza Giacomo Matteotti. Ihr unregelmäßig dreieckiger Grundriss unterscheidet sie von vielen anderen Plätzen in der Toskana. Arkaden rahmen den Platz ein, unter denen einst Händler ihre Waren schützten, heute finden sich hier Geschäfte, Cafés und Weinhandlungen.

In der Mitte steht die Statue von Giovanni da Verrazzano. Der Seefahrer kam um 1485 auf dem Castello di Verrazzano zur Welt, der Burg seiner Familie auf einem Hügel über dem Greve-Tal. Sie liegt bei Greti, zwei Kilometer nördlich von Greve an der SR222, und von dort noch einmal zwei Kilometer bergauf. 1524 fuhr Verrazzano im Auftrag von König Franz I. die Atlantikküste Nordamerikas entlang und lief am 17. April in die Bucht des heutigen New York ein, als erster Europäer, von dem das dokumentiert ist. Die Burg ist heute Weingut und Privatbesitz, Besichtigungen gibt es nur nach Voranmeldung.

Die Kirchen

Am südlichen Ende des Platzes steht die Kirche Santa Croce. Der heutige Bau stammt aus dem 19. Jahrhundert, die Kirche selbst ist deutlich älter. Im Inneren hängen ein Triptychon von Bicci di Lorenzo und Tafeln aus der Schule des Fra Angelico.

Unterhalb von Montefioralle liegt die Pieve di San Cresci, eine romanische Kirche mit Vorhalle und zwei Biforien in der Fassade. Von dort oben geht der Blick weit über die Hügel.

Montefioralle

Drei Kilometer oberhalb von Greve liegt Montefioralle, eines der am besten erhaltenen mittelalterlichen Dörfer der Toskana. Aus der Burg, für die Greve einst den Markt stellte, ist ein sehr ruhiger Ort geworden: enge Gassen, ein geschlossener Mauerring, ein Rundgang von zwanzig Minuten. Montefioralle gehört zur Vereinigung I Borghi più belli d'Italia.

In der Kirche Santo Stefano, gotisch mit barocken Zutaten aus späteren Umbauten, hängt eine Madonna mit Kind aus dem späten 13. Jahrhundert. An der Hauptgasse steht ein Haus, das der Überlieferung nach der Familie Vespucci gehörte, zu erkennen nur am Wappen über der Tür, einer Wespe. Amerigo Vespucci selbst wurde 1454 in Florenz geboren, nicht hier. Nach ihm ist Amerika benannt.

Mit dem Motorrad nach Montefioralle

Gut drei Kilometer bergauf, asphaltiert, Parkplatz am Ortseingang. Als Stopp auf dem Rückweg von einer Tour ist das kaum ein Umweg.

Villa Vignamaggio

Die Villa Vignamaggio wurde im 14. Jahrhundert von der Familie Gherardini gebaut. Ihre heutige Renaissance-Gestalt bekam sie im 15. und 16. Jahrhundert von den Gherardi, einer anderen Familie mit fast gleichem Namen.

Bekannt ist die Villa vor allem für eine Geschichte, die vermutlich nicht stimmt: Lisa Gherardini, das mutmaßliche Modell für Leonardos Mona Lisa, soll hier geboren sein. Die Daten sprechen dagegen. Die Gherardini verkauften Vignamaggio 1421, Lisa kam 1479 zur Welt, und zwar in Florenz. Die Legende hält sich trotzdem, und die Villa trägt sie mit Humor.

Sehenswert ist sie deshalb nicht weniger. Der Garten im italienischen Stil, die Weinberge und Olivenhaine ringsum, und ein Chianti Classico, der zu den besseren der Gegend zählt.

Greve ist der Ort, von dem aus alle guten Touren starten, und an dem man am Abend gerne ankommt.

Gerhard · Motezza · Greve in Chianti

Wein und das Chianti Classico Weinfest

Weinbau ist das wirtschaftliche Rückgrat von Greve. Die Hügel ringsum liegen auf 250 bis 600 Metern, gut für die Sangiovese-Traube, aus der Chianti Classico zu mindestens 80 Prozent bestehen muss.

Das Anbaugebiet Chianti Classico ist ein abgegrenztes Territorium von rund 70.000 Hektar zwischen Florenz und Siena. Greve ist eine von nur vier Gemeinden, die vollständig darin liegen. Von den elf Unterzonen, den sogenannten UGA, liegen allein vier auf Grevigianer Gemeindegebiet: Greve, Montefioralle, Lamole und Panzano.

Am zweiten Septemberwochenende füllt sich die Piazza Matteotti mit den Ständen der Expo Chianti Classico. Die Messe läuft seit 1970 und ist die einzige, auf der Erzeuger aus allen Gemeinden des Chianti Classico vertreten sind. Sie geht über vier Tage, von Donnerstag bis Sonntag.

Museo del Vino

Das Museo del Vino an der Piazza delle Cantine liegt in alten Kellergewölben und zeigt Werkzeuge und Gerät aus dem Weinbau, dazu eine ungewöhnlich große Korkenziehersammlung. Ein kurzer Stopp, Öffnungszeiten vorher prüfen.

Landschaft und Natur

Rund um Greve stehen Weinberge, Olivenhaine und Zypressen so, wie man sich die Toskana vorstellt. Wer höher hinaus will, fährt Richtung Osten: Der Monte San Michele ist mit 892 Metern der höchste Gipfel der Monti del Chianti, rund acht Kilometer von Greve entfernt und noch auf Gemeindegebiet. Oben stehen Nadelwald und Wiesen statt Reben, und der Blick geht auf beiden Seiten hinunter, ins Chianti und ins Valdarno.

Feste und Märkte

  • Wochenmarkt: jeden Samstag von 8 bis 13 Uhr auf der Piazza Matteotti, Lebensmittel, Kunsthandwerk und Kleidung
  • Il Pagliaio: Biomarkt auf der Piazza, jeden vierten Sonntag im Monat, Frühjahr bis Herbst
  • Festa delle Frittelle: Montefioralle, rund um den 19. März, den Josefstag. In einer Pfanne von zwei Metern Durchmesser werden Reisfrittelle nach altem Rezept gebacken, das macht das Dorf seit Ende der 1960er Jahre so
  • Antik- und Sammlerbörse: Ostermontag auf der Piazza Matteotti
  • Festa della Stagion Bona: Panzano, immer am 25. April. Mittelalterliche Rekonstruktion der Fehde zwischen den Gherardini und den Firidolfi, mit Umzug, Fahnenschwingern und Feuerwerk
  • Greve in Fiore: Pflanzen- und Blumenmarkt auf der Piazza, erstes Maiwochenende
  • I Profumi di Lamole: Ende Mai oder Anfang Juni in Lamole, die neun Winzer des Dorfes schenken auf der Piazzetta aus
  • I Profumi di Lamole sotto le stelle: Abendveranstaltung im August, ab 18 Uhr, mit den Weinen von Lamole
  • Expo Chianti Classico: zweites Septemberwochenende auf der Piazza Matteotti, Donnerstag bis Sonntag

Termine können sich verschieben. Für das laufende Jahr lohnt ein Blick auf die Seite der Gemeinde Greve in Chianti.

Kurz beantwortet

Wie komme ich von Florenz nach Greve in Chianti?

Auf der SR222, der Via Chiantigiana, direkt südlich aus Florenz heraus. Die Strecke ist gut ausgeschildert und führt durch das Herz des Chianti. Ab dem Stadtzentrum rechne mit 40 bis 50 Minuten, ab Firenze Sud mit 30 bis 40. Wobei die reine Fahrzeit selten die tatsächliche ist, man hält unterwegs an.

Wann findet das Chianti Classico Weinfest statt?

Die Messe heißt Expo Chianti Classico und läuft jedes Jahr am zweiten Septemberwochenende auf der Piazza Matteotti, von Donnerstag bis Sonntag. Es gibt sie seit 1970, und es ist die einzige Messe, auf der Erzeuger aus allen Gemeinden des Chianti Classico vertreten sind. Die genauen Tage stehen auf expochianticlassico.com.

Was hat Amerigo Vespucci mit Greve zu tun?

In Montefioralle oberhalb von Greve steht ein Haus, das der Überlieferung nach der Familie Vespucci gehörte. Erkennbar ist es an der Wespe im Wappen über der Tür. Amerigo Vespucci selbst wurde 1454 in Florenz geboren. Vor Ort hört man gelegentlich, er sei in Montefioralle zur Welt gekommen, das stimmt nicht.

Stimmt es, dass die Mona Lisa in der Nähe von Greve geboren wurde?

Nein, mit ziemlicher Sicherheit nicht. Lisa Gherardini, das mutmaßliche Modell, wurde 1479 in Florenz geboren. Die Villa Vignamaggio bei Greve gehörte zwar einmal ihrer Familie, aber die hatte sie schon 1421 verkauft, achtundfünfzig Jahre vor Lisas Geburt. Die Villa ist trotzdem einen Besuch wert.

Wo parkt man in Greve am besten mit dem Motorrad?

Kostenlose Parkflächen liegen direkt außerhalb des historischen Kerns an der Hauptstraße. Mit dem Motorrad findet man dort fast immer einen Platz. Ein Hinweis für Samstage: Wegen des Markts ist die Piazza Matteotti gesperrt und die ZTL aktiv, dann parkt man außerhalb und geht die letzten Meter.

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