Mittelalter, Wein und toskanische Gelassenheit
Wer mit dem Motorrad durch das Chianti-Gebiet cruist, kommt an einem Ort kaum vorbei – und das ist auch gut so: Radda in Chianti. Der kleine Ort liegt malerisch auf einem Hügel, von dem aus man weit über die Weinberge blickt. Diese Landschaft ist so typisch für die Toskana, dass man sich fast wundert, warum nicht jeder Postkartenhintergrund genau hier aufgenommen wird.
Geschichte zum Anfassen
Radda hat mehr zu bieten als nur gutes Licht für Fotos. Die Ursprünge reichen weit zurück – bis zu den Etruskern, wie archäologische Funde zeigen. Später war der Ort Sitz der Lega del Chianti, einer Art mittelalterlichem Schutzbündnis unter dem Kommando der Republik Florenz.
Das Herz des Ortes ist die Piazza Ferrucci, gesäumt vom Palazzo del Podestà mit seinen historischen Wappen und der Kirche San Niccolò, deren neugotische Fassade fast ein bisschen städtisch wirkt.
Zwischen Trockenmauern und Vinodukt
Ein Spaziergang durch Radda fühlt sich an wie eine Zeitreise mit Aussicht: gepflegte Gärten, kleine Steinhäuser, Trockenmauern – und zwischendurch immer wieder der Duft von Rosmarin, Erde und fermentierendem Traubensaft.
Ein echter Geheimtipp ist das Castello di Volpaia unweit des Ortskerns. In der mittelalterlichen Burg wird heute noch Wein und Olivenöl produziert – und zwar in alten Kirchen, Kellern und Nebengebäuden, die unterirdisch über ein sogenanntes „Vinodukt“ verbunden sind.
Für Weinfreunde und Kulturmenschen
In der Umgebung lohnt sich ein Abstecher zur Pfarrkirche Santa Maria Novella, deren romanische Ursprünge trotz Restaurierungen klar erkennbar bleiben. Wer sich für sakrale Kunst interessiert, sollte auch die Kirche Santa Maria in Prato besuchen – hier hängt ein Gemälde von Neri di Bicci, einem Meister der florentinischen Malerei des 15. Jahrhunderts.
Direkt daneben befindet sich die Casa del Chianti Classico, ein interaktives Zentrum rund um den berühmtesten Wein der Region – samt Ausstellungen, Kursen und einem kleinen Sinnesparcours.
Startpunkt für große (und staubige) Touren
Radda liegt ideal, um das restliche Chiantigebiet zu erkunden – zum Beispiel Gaiole in Chianti oder Castelnuovo Berardenga. Wer sportlich unterwegs ist (oder einfach staubige Abenteuer liebt), kann sich auf die Spuren der legendären Eroica-Radroute begeben – eine traumhafte Schotterstrecke, die sich auch mit dem Motorrad sehen lassen kann.
Fazit:
Radda ist kein Ort, den man „mal kurz mitnimmt“. Es ist ein Ziel, das man erlebt – mit allen Sinnen.


